Gene Autry (September 29, 1907 - October 3, 1998)

 

 

Daß Gene Autry, einer der ersten wirklich bedeutenden Cowboys der Film- und Musikindustrie Americas, einer der bereits in den 30er Jahren in unzähligen Filmen mitwirkte und darüber hinaus zu den ersten Radio-Stars der Nation zählte, gerade vor wenigen Wochen im Alter von 91 Jahren verstarb ist äußerst bedauerlich, für uns jedoch, und das soll hiermit getan werden, eine ausgiebige Würdigung wert.

 

Gene Autry war sicherlich ein Multitalent: Sänger, Songwriter, Filmstar mit über neunzig Hauptrollen und nicht zuletzt erfolgreicher Buisnessman und Werbeträger. Besonders zu Beginn seiner Karriere in den 30er Jahren, als die amerikanische Nation förmlich am Boden lag und der Alltag der Menschen von Trostlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Not geprägt war, erkannten die Medien von Film und Rundfunk, daß sich ein teils außerordentlich überzogenes Image von Phantasie und Traumwelt am ehesten vermarkten ließ. Wildwest- und Cowboyszenerie, realitätsfern in Glitzer und Glamour offeriert und in den funkelnden, neuen Filmpalästen präsentiert, entriß das Volk seiner Beklemmung und entführte es in eine heile Traumwelt "Made in Hollywood". Unterstützt vom ebenfalls noch jungen Medium Radio, das dieses große Land, quasi vom einen auf den anderen Tag verband, stand dem Erfolg scheinbar nichts mehr im Wege.

Schon 1931, damals gerade mal 24 Jahre alt, hatte Autry mit Silver Haired Daddy Of Mine seinen ersten Hit gelandet und kaum vier Jahre später in Tumbling Tumbleweeds sein Filmdebut in einer Hauptrolle bekommen.

Es war ein überaus liebenswürdiges Image das Autry ausstrahlte und das diesem Jungen aus Tioga/Texas eine geradezu bombastische Laufbahn bescherte.

Als erstes von vier Kindern wurde Orvon Gene Autry am 29. September 1907 als Sohn von Delbert und Elnora Ozmont Autry geboren. Dem Cowboyimage war er dabei wohl von dem ersten Moment an ausgesetzt, denn sein Vater war als Vieh- und Pferdehändler tätig. Die Mutter hingegen vermittelte ihm den musikalischen Part und der Großvater, William Autry, seines Zeichens Baptist Minister, förderte ihn im Kirchenchor. Noch vor Ende seiner Schulzeit war Gene Autry kurzfristig im Rahmen der The Fields Brothers Marvelous Medicine Show als Sänger aktiv. In den 20er Jahren zieht die Familie dann nach Oklahoma, wo der junge Gene zum Teil als Landarbeiter bei seinem Onkel arbeitet und , um einen Job bei der Frisco Railroad zu bekommen, das telegraphieren erlernt. Als Hobbymusiker ist er zu diesem Zeitpunkt lediglich in seinem direkten Umfeld aktiv und vertreibt sich mit der Musik die langen Stunden während der Nachtschicht in der Telegraphenstation. Der Zufall möchte es so (und hier beginnt eine echte amerikanische Erfolgsstory), daß eines Nachts der damals bereits sehr erfolgreiche Will Rogers, als er ein Gratulationsschreiben zum Geburtstag seiner Schwester aufgeben will, den jungen Gene Autry spielen und singen hört. Er empfiehlt ihm nach New York zu gehen und es mit einer Karriere als Musiker zu versuchen. Über ein Jahr schleppt Autry diesen Gedanken mit sich herum, er träumt von New York, übt wie besessen und macht sich schließlich mit einem Freiticket seines Arbeitgebers und etwas Erspartem auf den Weg. Für den 20-jährigen vom Lande muß New York, das damals in der Blüte des Jazz-Age stand, wohl so etwas wie ein Kulturschock gewesen sein, zumal er zunächst auch völlig auf sich selbst gestellt war. Die einzige Empfehlung die er hatte kam von der Mutter von Johnny und Hank Marvin, die ihm riet, sich doch ruhig bei ihren Söhnen in New York zu melden. Autry klopfte an deren Tür und es begann eine Lebenslange Freundschaft mit beiden. Zurück in Oklahoma erhielt Autry wenig später seinen ersten Radio-Job als Oklahomas Yodelin` Cowboy (wo`s wohl herkam ? - siehe Jimmie Rodgers in unserer Januar Ausgabe) bei KVOO in Tulsa. Ein weiterer Impuls kam von seinem Freund Jimmy Long, ebenfalls Gitarrist und Sänger und passionierter Jimmie Rodgers Fan. Dessen Nichte Ina Mae Spivey wird im Übrigen 1932 zu Mrs. Autry. Es folgten die ersten Recordings für Johnny Marvin und Jimmie Long, der bei Victor unter Vertrag war, während Autry selbst an kein festes Label gebunden war und im Laufe der 30er Jahre für Columbia, Grey, Okeh und andere Labels aufnahm. Sein musikalisches Idol blieb Jimmie Rodgers den er zutiefst verehrte und über weite Strecken zum verwechseln ähnlich imitierte. Seinen hundert Prozent eigenen Weg hatte er bis dahin jedoch noch nicht gefunden: Cowboy Songs, Love Songs, Folk Songs und Balladen waren in seinem Repertoire vertreten. Der für ARC tätige Arthur E. Satherley nahm Autry schließlich unter Vertrag, ein äußerst wichtiger Mann zu jener Zeit, waren doch so wichtige Leute wie Roy Acuff, Bob Wills, Bessie Smith, Ma Rainey oder Big Bill Broonzy ebenfalls in seinen Händen. Gene Autry wird zu einem der heißesten Acts bei WLS National Barn Dance in Chicago, der bis dahin führenden und populärsten Radio Show Americas.

Seine Stimme war es, die ihn mehr und mehr auszeichnete; sie strahlte eine Art von Vertrauen, Weichheit und Loyalität aus, die ihn sowohl als Sänger, wie auch als Moderator und Schauspieler glaubhaft machte und ihm zu Ruhm und Popularität verhalf. Hollywood rief, und der bisher eher regional bekannte Autry wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem der gefragtesten Schauspieler Hollywoods. Das Genre des Singing Cowboys war in den neuen, und nun endlich auch vertonten Westernfilmen ab Ende der 20er Jahre, eingeläutet von Warner Baxter im Film In Old Arizona aus dem Jahr 1928, weitverbreitet. Bob Steele, Ken Maynard, Gene Autry und letztlich sogar John Wayne sollten folgen. Bis 1936 hatte Autry bereits zehn Filme gedeht, allesamt Western in einer Mischung aus Action, Comedy und viel Musik. Fred Scott, Ray Whitley, Tex Ritter oder Roy Rogers waren weitere Vertreter die in den Dreißigern ihr Filmdebut gaben, letzterer sogar in zwei Autry Filmen: The Big Show und The Old Corral.

Doch blieb Autry stets mehr der Musik verbunden und die Liste seiner Hits scheint geradezu unendlich: The Yellow Rose Of Texas (1933), Ridin` Down The Canyon (1935), Nobody`s Darling But Mine (1935), You`re The Only Star In My Blue Heaven (1935), Mexicali Rose (1936), Back In The Saddle Again (1939), South Of Border (1939), Tears On My Pillow (1940), You Are My Sunshine (1941), I Hang My Hand And Cry (1941), Tweedle-O-Twill (1942) etc..

Die Melody Ranch, eine halbstündige Radio-Show, gesponsort von Wrigley`s Chewing Gum, wird über sechzehn Jahre (1940 - 1956) ein weiteres, äußerst erfolgreiches Markenzeichen Autry`s. Der 2. Weltkrieg verschont jedoch auch den Superstar nicht, in den Army Air Corps fliegt Autry Transportmaschinen nach Afrika und in den mittleren Osten - sein Verdienst verringert sich dabei jedoch von ca. 600.000 Dollar/Jahr auf 115 Dollar/Monat. Nach dem Krieg entstehen fünf weitere Filme für Republic Pictures, die ersten dabei schon in Farbe, doch hatte sich sowohl das amerikanische Volk als auch die Entertainment-Industrie durch die vergangenen Jahre erheblich verändert. Mehr Tiefgang und Seriosität waren gefragt, und schließlich stand auch schon wieder ein neues Medium in den Startlöchern - TV. Musikalisch hält sein Erfolg dabei ungebrochen an ; Have I Told You Lately That I Love You, Sioux City Sue, Mule Train und schließlich, acht Millionen mal verkauft: Rudolph the Red-Nosed Reindeer .

Seine ersten eigenen TV-Shows produziert Gene Autry in einem Anwesen, daß er sich speziell zu diesem Zwecke kaufte, sie Melody Ranch. Dieses junge Medium bestimmt entscheidend die 50er Jahre und auch Gene Autry ist dabei gut im Geschäft, längst in einem Alter, wo aus dem einstigen Youngster ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden ist, der in allen Bereichen (Radio, TV, Kino) aktiv und am Puls der Zeit ist. So bleibt er bis heute der einzige Künstler, der es zu fünf Sternen auf dem berühmten Hollywood Walk of Fame gebracht hat (jeweils für Radio, Films, Records, Stage Appearances und Television). Gene Autry ist jedoch auch klug genug um sich nach rund dreißig Jahren Erfolg einen peinlichen Abgang zu ersparen. Im Laufe der 50er zieht er sich nach und nach zurück und gibt den Markt nachfolgenden Generationen und Entwicklungen frei.

 

 

Gene Autry`s Gitarren

The Holy Grail  to Martin Guitar Collectors ist ohne Zweifel Gene Autry`s Martin D-45 Custom - dies hat mehrere Gründe: 1. Es ist die erste D-45 überhaupt, 2. Es ist eine von nur zwei Prewar D-45 mit 12-Bund Korpus, 3. Es ist eine von insgesamt nur 91 Prewar D-45, 4. Sie war bis zu Autry Tod vor wenigen Wochen in seinem Besitz.

Bereits seit Jahren ist dieses legändere Instrument im Autry Museum of Western Heritage in Hollywood zu bewundern (gut bewacht, wohl gemerkt). Bedenkt man, daß für eine Prewar D-45 ohnehin schon Preise von circa 130.000 Dollar bezahlt werden, ist der Wert der Autry D-45 sicherlich nochmals in gänzlich anderen Dimensionen zu erwarten. Eine Wiederauflage dieser Gitarre wurde 1994 in einer Stückzahl von nur 66 Instrumenten angeboten - Preis? immerhin auch schon rund 25.000 DM.

Bereits zuvor, zu Beginn seiner Karriere, begann Gene Autry mit dem sammeln von Gitarren - Modelle, die erst recht heute jedem Liebhaber Tränen in die Augen treiben. Darunter waren von Martin eine 0-42, eine 00-42 und eine 000-45, von Gibson eine der ebenfalls äußerst begehrten Prewar SJ-200 und Instrumente der Larson Brothers aus Chicago, nicht schlecht, oder?