Reverend Gary Davis (1896 - 1972)                                                                       

Mehr als zwanzig Jahre nach seinem Tod ist die Musik von Reverend Gary Davis in ihrem Einfluß und ihrer Bedeutung unverändert groß. Musiker wie Bob Dylan, Ry Cooder, Joan Baez, Happy Traum, Pete Seeger, Rory Block oder Stefan Grossman haben sein musikalisches Erbe in Form von Livekonzerten, Aufnahmen, sowie in Lehrbüchern und auf Videos weitergetragen. Seit seinem Tod im May 1972 sind bereits mehr als 20 Neuveröffentlichungen erschienen, und weitere sind geplant.

Während seines letzten Lebenbsabschnittes war Gary Davis von einer Gruppe junger Musiker umgeben, die für seine heutige Popularität entscheidenden Ausschlag haben sollten. Mr. Davis gab zu dieser Zeit seine "5$ Lessons" und Leute wie Stefan Grossman, Woody Mann, Larry Johnson und Roy Book Binder waren seine Verehrer und Schüler. "You come to me and I`ll teach you how to play guitar, not fool around with that guitar" so Gary Davis. Viele dieser damaligen Schüler wurden "Professionals" und eine ganze Reihe der Titel, die Davis damals vermittelte, sind heute in Büchern und auf Videos festgehalten.

Viele seiner Lieder spiegeln seine enge Verbundenheit zum christlichen Glauben wieder, doch Davis war auch ein ausgezeichneter Blues und Ragtime Gitarrist. Nicht viele seiner Bluesnummern wurden aufgenommen, zu den bekanntesten gehören sicherlich "Candyman" und "Hesitation Blues".

Gary Davis hatte sich über die vielen Jahre als Gitarrist eine sehr eigenwillige Technik angewöhnt. Er hielt seine Gibson J-200 diagonal, mit dem Griffbrett sehr dicht an seinem Körper. Für sein extrem kraftvolles Spiel benützte er einen Daumenpick aus Kunststoff, den er fast am Mittelgelenk seines Fingers trug. Dies ermöglichte ihm dynamische, hart gespielte Bassläufe, die seine Spielweise stark geprägt haben. Ansonsten kam lediglich noch der Zeigefinger, ebenfalls mit einem Fingerpick bestückt, zum Einsatz. Seine Greifhand schien endlos in Bewegung zu sein, klare Akkordpositionen waren oftmals nur schwer auszumachen, zudem er stets noch den einen oder anderen Trick auf Lager hatte. Einzelne Töne wurden z.B. durch hartes tapping der linken Hand und nicht durch Anschlag der rechten Hand erzeugt.

Geboren wurde Reverend Gary Davis 1896 auf einer Farm in Clinton, South Carolina, wo er hauptsächlich von seiner Großmutter aufgezogen wurde. Bereits in den ersten Lebenswochen soll er sein Augenlicht verloren haben, doch stellte dies für ihn persönlich nie ein großes Hindernis dar. "The Lord took my sight and I am his disciple". Sein erstes Instrument war eine Mundharmonika, ein Instrument, das er während seiner gesamten Laufbahn einsetzte. Das Spielen hat er sich als Junge selbst beigebracht. "You can teach somebody to dance, but you can`t teach nobody how to blow harmonica". Danach folgte das Banjo und schließlich die Gitarre, eine Washburn für 18 $, die ihm seine Mutter schenkte als er ungefähr acht Jahre alt war. Mit 16 war Davis ein respektierter Gitarrist, der vornehmlich in der baptistischen Kirche und bei sozialen Veranstaltungen auftrat. Zusammen mit Willie Walker und einigen anderen hatte er eine recht erfolgreiche Stringband, von der er sich allerdings recht schnell wieder trennte. "I`d be looking for the money, and they`d be looking for the women". Eine Blindenschule in Spartanburg war seine nächste Station, doch die verlies er bereits nach sechs Monaten wieder, wegen dem schlechten Essen wie er meinte. Nach seiner ersten Hochzeit im Jahr 1923 zog er Anfang der 30 er Jahre nach Durham, eine Tabackstadt in South Carolina. Die folgenden fünf Jahre sind von historisch großer Bedeutung in seiner Karriere. In Durham traf er nämlich auf Blind Boy Fuller. Mit ihm und Bull City Red am Waschbrett spielte er viel auf den Strassen Durhams. Es dauerte nicht lange und die drei wurden von "Record Scout" J.B. Long entdeckt, der sie im July 1935 nach New York brachte um dort Aufnahmen mit ihnen einzuspielen. Während diesen vier Tagen im Studio wurden von Gary Davis 14 Solo-Nummern, als auch Stücke zusammen mit Fuller und Red, aufgenommen. Diese herrlichen Aufnahmen wurden alle auf einer National Duolian gespielt, sie sind unheimlich klar und transparent. Zu dieser Zeit traf Davis auch auf einen seiner ewigen Weggefährten, Sonny Terry. Zusammen mit ihm sollte er aber erst 1954 im Studio stehen. Während des Folk-Revivals in den 60 er Jahren tourten sie häufig zusammen und waren auf vielen Festivals zu sehen.

Nach seiner zweiten Heirat 1943 mit Annie Belle Wright ging Gary Davis nach New York, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte. Der Alltag war bis Ende der 50 er Jahre sehr hart für die Familie, sie lebten in großer Armut, die Einnahmen als Strassenmusiker in Harlem waren eher bescheiden. Davis soll bei jedem Wetter in den Strassen zu sehen gewesen sein, und auf die Frage, warum er als Fingerpicker eine Gibson J-200 spiele sagte er: "It is the loudest when it rains." Erst nachdem er 1954 und 1957 wieder Aufnahmen machte rückte ein wenig öffentliches Interesse auf ihn, das es ihm ermöglichte, Club- und Festivalgigs zu bekommen. Die kommerziell erfolgreichsten Aufnahmen entstanden schließlich 1961/62 unter dem Prestige/Bluesville Label. Peter, Paul and Mary machten sein "If I had my way" zum Hit, und Davis war sehr stolz darauf, daß er sich von den Tandiemen ein Häuschen auf Long Island kaufen konnte.

Ein Großteil der erhältlichen Aufnahmen sind Gospels, doch gegen Ende seiner Laufbahn war Gary Davis auch wieder bereit einige Blues- ind Ragtimetitel in sein Repertoire aufzunehmen. Die frühen Aufnahmen aus den 30 er Jahren sind vor allem durch den sehr emotionalen Gesang und das äußerst beeindruckende Picking geprägt. Seinen musikalischen Höhepunkt stellen die Prestige/Bluesville Produktionen aus den frühen 60 er Jahren dar, es sind vor allem Gospels mit unglaublich kraftvollem und ausdrucksstarkem Fingerpicking - für jeden Interessierten ein absolutes MUSS!

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