"America`s Blue Yodeler"

Jimmie Rodgers (September 8, 1897 - May 26, 1933)

 

"The Singing Brakeman" - Jimmie Rodgers` name stands foremost in the Country Music field as the man who started it all. His songs told the great stories of the singing rails, the powerful Steam Locomotives and the wonderful Railroad People that he loved so well. Although small in stature, he was a giant among men, starting a trend in the musical taste of millions.

 

Mit dieser Würdigung wurde Jimmie Rodgers 1961, als einer der ersten Musiker in die "Country Music Hall of Fame" aufgenommen. Obgleich er zu Lebzeiten nie das typische "Cowboy-Image" verkörperte, so waren es seine Songs, die schon damals das damit charakterisierte Lebensgefühl vermittelten und den Menschen, gerade zu den schweren Zeiten der Depression Verbundenheit, Nähe und Verständnis nahe brachten. Er war sozusagen der Liebling der Nation, der der Bevölkerung nicht nur aus dem Herzen sprach, sondern jenem geradezu entsprang.

Geboren im Herbst 1897 in Mississippi, war er dort unmittelbar an der Quelle des sich entwickelnden Blues, und so findet man in seiner Musik sowohl gesangliche als auch textliche Parallelen zu schwarzen Musikern wie Charlie Patton oder Bukka White. Seine Mutter Eliza Rodgers starb als er erst sieben Jahre alt war und dem Vater, der bei der Mobile & Ohio Railroad tätig war, blieb nur wenig Zeit sich um den Jungen zu kümmern. Jimmie, sowie seine beiden älteren Brüder Tal und Walter wurden daher immer wieder bei verschiedenen Verwandten untergebracht und kamen zunächst nur sporatisch zurück zum Vater nach Meridian, Mississippi. Ab seinem Teenageralter arbeitet er für die Eisenbahn-Gesellschaften des Südens, sein Traum war es jedoch schon damals gewesen, als Entertainer sein Geld verdienen zu können. So zog es ihn hinaus auf die Straßen und in die Städte - Theater, Zeltshows, Straßenmusiker und jede Art von Entertainment faszinierten ihn.

Die erste Ehe mit (der angeblich äußerst willensstarken Farmerstochter) Stella Kelly ist nur von kurzer Dauer, die Leichtlebigkeit und der Freiheitsdrang Rodgers steht dem jungen Glück wohl allzusehr im Wege. 1920 geht er als "Brakeman" zu der New Orleans & Northeastern Railroad, nur wenig später heiratet er Carrie Williamson, die einer äußerst musikalischen Familie entstammt und deren Vater Minister in Mississippi ist.  Zwei Töchter werden geboren: Carrie Anita und June Rebecca, die jedoch bereits im Alter von sechs Monaten an Diphtherie stirbt. Ein weiterer Schicksalschlag folgt Mitte der zwanziger Jahre - Jimmie Rodger ist an Tuberkulose erkrankt, eine Diagnose, die zu jener Zeit meist das Todesurteil bedeutete.

Im Januar 1927 zieht die Familie nach Asheville, North Carolina. Im "Land of the sky" von Blue Ridge Mountains und Great Smoky Mountains ist bereits in den 20er Jahren eine belebte Musikszene aktiv. Die neu gegründete Radiostation "WWNC of Asheville" bietet Rodgers  zusammen mit "Helton`s Old Time String Band" und im Duo mit Otis Kuykendall ein erstes Sprungbrett zum Erfolg.

Seine musikalische Laufbahn beginnt 1927, als er den für Victor tätigen Agenten Ralph Peer in Bristol kennenlernt, der ihn zu einer ersten Aufnahme-Session einlädt. Ein aus heutiger Sicht historischer Zufall ist, daß bei gleicher Session auch die ersten Aufnahmen der Carter Family entstanden, die später eine ähnliche Bedeutung wie Rodgers erlangen sollten. Zwei Titel werden eingespielt und veröffentlicht: "The soldier`s sweetheart" und "Sleep baby sleep". Nach anfänglicher Skepsis ist auch Ralph Peer zuversichtlich und nach den sich abzeichnenden Verkaufserfolgen kommt es zu einer zweiten Session im Hauptquartier von Victor Records in Camden, New Jersey. Der "Blue Yodel No 1" wird dabei zum Durchbruch für Rodgers, doch auch "Away out on the mountain" ist äußerst erfolgreich. Bereits drei Monate später, im Februar 1928, kommt es zu weiteren Recordings. Dabei vertreten sind Klassiker wie "Dear old sunny south by the sea", "Treasures untold" und "In the jailhouse now".

Das "Railroad-Image", geprägt durch das Umfeld des Elternhauses, den Menschen, die damit verbunden waren, die er offensichtlich so sehr liebte und mit denen er sich so gerne identifizierte wird zu seinem Erkennungszeichens. Im Eisenbahner-Arbeitsanzug, mit Fliege und zwei erhobenen Daumen posiert er als "Singing Brakeman", und wieder stellt er den einfachen Mann, den Arbeiter und den "Mann des Volkes" dar.

Sein absolutes musikalisches Markenzeichen wird im Laufe seiner Karriere jedoch der "Blue Yodel", den er als Titel in insgesamt zwölf unterschiedlichen Versionen aufnimmt. Das Stilmittel des Jodelns setzt er darüber hinaus auch bei anderen Titeln ein und macht es so auch zu einer gesanglichen Ausdrucksform in der traditionellen, amerikanischen Folklore. Musiker wie Doc Watson oder Peter Rowan binden es bis heute in vergleichbarer Form in ihre Musik ein.

Rodgers Erfolg verbreitet sich schnell über das ganze Land und bringt ihm ausverkaufte Konzertsäle. Es folgten ständig weitere Aufnahmen, teils mit Jazz- und Hawaiibands eingespielt oder im Duo und Trio mit Steel-, Rhythmusgitarre oder Ukulele. Es entstehen etliche neue Songs, teils in Zusammenarbeit mit Elsie Mc Williams, der Schwägerin seiner Frau, komponiert: “Never no mo Blues”, “My Rough and Rowdy Ways”, “Peach Pickin Time in Georgia” oder “Hobo`s Meditation” um nur einige zu nennen. "Hobo`s Meditation" wurde im übrigen 1987 in einer toller Version von Dolly Parton, Emmylou Harris und Linda Ronstad eingespielt.

Beim "Blue Yodel No 9" stehen Rodgers sogar Lillian Hardin Armstrong am Piano und Louis Armstrong an der Trompete zur Seite. Im Duo mit dem schwarzen Bluesgitarristen Cliffton Gibson kommt auch dieser Einfluß wieder verstärkt zum tragen. Ralph Peer von Victor vereint schließlich seine beiden größten Entdeckungen - Jimmie Rodgers und die Carter Family. Aufnahmen im Trio von Jimmie Rodgers, mit Sara und Maybelle Carter sind das historisch äußerst bedeutende Resultat dieser Session.

1932/33 kommen die Auswirkungen der Tuberkulose immer mehr zum Vorschein. Rodgers ist bereits deutlich geschwächt, als er in Begleitung einer Krankenschwester die Reise nach New York für weitere Aufnahmen antritt. Er ist gezwungen sitzend zu arbeiten, beschränkt sich in erster Linie auf den Gesang und überläßt den Rest seiner Begleitband. Den letzten Song diese Session, “Years ago”, bestreitet er auf eigenen Wunsch jedoch stehend und solo, wie zu Beginn seiner Laufbahn 6 Jahre zuvor - 36 Stunden später ist Jimmie Rodgers tot. Als sich der Zug mit der Leiche auf den Weg von New York nach Meridian/Mississippi macht, ist die Bahnlinie flankiert von Fans, aus offenen Fenstern entlang der Strecke ist seine Musik zu hören, das gesamte Land ist in tiefer Trauer.

Jimmie Rodgers, dessen Plattenverkäufe bis heute nicht abgerissen sind, steht als Schlüsselfigur für weite Bereiche amerikanische Country Musik und angrenzender Stilistiken. Von Gene Autry, der bereits in den späten 20er Jahren Rodgers Titel coverte, bis hin zu Merle Haggards Tribute Album aus dem Jahr 1969 war Rodgers Einfluß geradezu überwältigend. Kein Wunder, daß Musiker wie Hank Williams, Jimmie Davis, Grandpa Jones, Merle Travis oder Bill Monroe Jimmie Rodgers als ihren wichtigsten Einfluß ansehen. Doch die Liste ließe sich ohne weiteres fast endlos fortsetzen: Ernest Tubb, Bob Wills, Lefty Frizzell, Hank Snow, Red Foley, Johnna Cash etc., etc..

1956 veröffentlicht RCA seine Songs auf LP, 1961 wird Jimmie Rodgers in die Country Hall of Fame aufgenommen.

In seiner Heimatstadt Meridian ist das Jimmie Rodgers Museum zum Wallfahrtsort seiner unzähligen Fans geworden.

Rounder Records bietet ein umfangreiches Angebot an chronologisch aufgebauten Zusammenstellungen: “First Session 1927-1928” #1056, “The early years 1928-1929” #1057, “On the way up 1929” #1058, “Riding high 1929-1930” #1059, “Americas Blue Yodeler 1930-1931” #1060, “Down the old Road 1931-1932” #1061, “No hard times 1932” #1062, “Last Sessions 1933” #1063.

 

 

Jimmie Rodgers Gitarren:

Jimmie Rodgers hat der Akustikgitarre wesentliche Impulse für deren Stellenwert in der populären Musik verliehen und deren Image entscheidend mitgeprägt.

Auf frühen Bildern ist Jimmie Rodgers mit einer kleinen Martin "Parlor"-Gitarre zu sehen, vermutlich eines der frühen 17er Modelle (2-17), das bereits für Stahlsaiten konstruiert war.

Eine Martin OO-18, und kurze Zeit später eine Weymann mit aufwendiger Ausstattung, wurden ab der Zeit seiner ersten Aufnahmen um 1927 zu seinem Handwerkszeug. Bei dieser Weymann handelte es sich um eine der ersten Gitarren, deren Griffbrett bereits vom Namen ihres Besitzers geziert wurde.

Die wohl bekannteste Jimmie Rodgers Gitarre war eine Martin OOO-45 Custom, die er im Juni 1928 bestellte und die ihm rund einen Monat später von C.F. Martin persönlich in New York übergeben wurde. Neben den üblichen Stil 45 Features war bei diesem Instrument Rodgers Name in Blockbuchstaben im Griffbrett eingelegt worden und auf der Kopfplatte war sein Pseudonym "Blue Yodel" zu lesen ("Blue Yodeler" war aus Platzgründen leider nicht möglich gewesen). Der Boden war mit einem aufgemalten "THANKS" versehen, ein Gag, mit dem sich Rodgers durch drehen der Gitarre bei seinem Publikum bedankte. Im einzigen Jimmie Rodgers Film "The Singing Brakeman" ist er ebenfalls mit diesem Instrument zu sehen. Die Martin Guitar Company würdigte 1997 Rodgers Schaffen mit einer limitierten Wiederauflage von 100 Instrumenten.

Nach Rodgers Tod wurde diese Martin an Ernest Tubb, einem Verwandten von Jimmie Rodgers weitergegeben, der sie über fast vierzig Jahre unentwegt im Einsatz hatte. Nach dessen Tod wiederum, bekam dieses legendäre Instrument seinen Platz im Jimmie Rodgers Museum in Meridian, Mississippi.

 

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