BUKKA WHITE (Booker T. Washington White 1909 - 1977)

"It is loud! I wouldn`t need no mike, and also I play so rough, I would have busted many wood guitars. This one can take rain and punishment - I stomp them, I don`t peddle them" - Bukka Whites Worte zum Thema National Gitarren, die er während seiner gesammten Karriere einsetzte. Ein Statement, das den großen Erfolg von Resonator-Gitarren bis zur Vermarktung von elektrisch verstärkten Akustik-/Jazzgitarren ab Mitte der 30er Jahre auf einfachste Weise verdeutlicht. Das Konzept von mehr Lautstärke traf zu jener Zeit den Kern der Bedürfnisse vieler Gitarristen.

Gerade diejenigen, die ihr Geld auf der Strasse und in den Kneipen verdienten waren darauf angewiesen sich Gehör zu verschaffen, wobei ein lautes Instrument auch ein kraftvolle Stimme erforderte. Auf filigranes, differenziertes Spiel wurde weitgehend verzichtet, Rhytmus und Text standen oft im Vordergrund. Dieser Umstand prägte den "Delta Blues" in großem Maße und es ist nicht verwunderlich, daß diese Musik aus heutiger Sicht mitunter rauh und ungehobelt erscheint, in ihrer Intensität und ihrem Ausdruck allerdings komplexeren Gattungen moderner Musik meilenweit voraus ist. Man sollte nicht vergessen, daß Country-Blues in erster Linie Unterhaltungs- und Tanzmusik war, die sich thematisch mit den Gefühlen und Lebensumständen der schwarzen Bevölkerung auseinandersetzte - ein Sprachrohr, das Unterdrückung und gesellschaftlichem Mißstand Ausdruck verschafften sollte.

Auch Bukka Whites Musik, vergleichbar mit der seines großen Vorbildes Charley Patton, ist von den beschriebenen Umständen stark geprägt. Sieht man sich Videos aus den sechziger Jahren an, ist es besonders eindrucksvoll, wie relaxed White dieses extrem druckvolle Spiel, ebenso wie den Gesang, umsetzte.

Geboren wurde Bukka White in Houston, Mississippi, circa 50 km östlich der Dockery Plantation, der Heimat Charley Pattons. Er wuchs in einfachen Verhältnissen zusammen mit 8 Geschwistern auf, sein Vater arbeitete als Bahnbediensteter. Bereits als Jugendlicher verließ er das Elternhaus, um seinen Lebensunterhalt mit der Musik zu verdienen. Im Jahr 1930 machte Bukka White im Alter von 21 Jahren seine ersten Aufnahmen für das Victor Label. Record-Scout Ralph Limbo zahlte ihm für diese acht Titel 240$ sowie eine neue National Gitarre - ein stattlicher Lohn. Der Verkauf hielt sich allerdings in Grenzen, die große Depression setzte die Zeichen der Zeit. Die folgenden Jahre sollten nicht leicht werden, Booker T. war im gesammten Süden unterwegs und verdiente sein Geld auf der Straße als Musiker oder als Preisboxer. Im Herbst 1937 traf er schließlich in Chicago ein und wurde von Vocalion unter Vertrag genommen. Mit 16000 verkauften Exemplaren landete er mit "Shake em on down" seinen großen Hit. Doch das Glück war von sehr kurzer Dauer. Vermutlich in Notwehr erschoß er einen Mann und wurde in die Parchman Farm, dem berüchtigten Staatsgefängnis von Mississippi, eingeliefert. Die Blueser waren, geprägt durch ihre Lebensumstände, oft recht harte Burschen, die sich allzu oft mehr oder weniger freiwillig zur Wehr setzen mußten und so sind Bukka White und Leadbelly nur zwei von vielen Musikern, die einen Teil ihres Lebens auf der Parchman Farm verbringen "durften". Als John Lomax für den "Library of Congress" Ende der 30er Jahre die Parchman Farm besuchte um dort inhaftierte Musiker aufzunehmen war Bukka White zunächst abgeneigt - es sollte kein Geld für die Aufnahmen gezahlt werden. Doch schließlich gewährte er Lomax zwei Titel ("...er ist ja schließlich dafür hierher gekommen."): "Sic em dogs on me" und "Po`boy long way from home". Nach seiner Entlassung im Jahre 1940 wurden weitere 12 Titel für Vocalion eingespielt, darunter der bekannte "Aberdeen Mississippi Blues" und "Jitterbug Swing". Diese Aufnahmen wurden in den 60er Jahren von Columbia wieder aufgelegt und sind heute auf CD erhältlich.

War dieser Delta Blues musikalisch auch recht primitiv strukturiert, so trafen gerade die Texte in ihrer thematischen Aussage den Nerv der hauptsächlich schwarzen Käuferschaft. Bukka White verstand es vorzüglich, die Lyrik ins rhytmische Gefüge der Stücke einzubetten. Überhaupt charakterisiert sich das Spiel Bukka Whites durch fließende, groovende Rhytmusarbeit mit herrlichen Slide-Passagen. Ungewöhnlich ist die offene d-Moll Stimmung, mit der er vielen Stücken seinen unverwechselbaren Stempel aufdrückte. Seine Spielweise wirkt unheimlich locker und sehr dynamisch. Perkussive Elemente, wie beispielsweise beim "Aberdeen Mississippi Blues" eingesetzt, machen diese Musik abwechslungsreich und spannend. Das Slide Spiel praktizierte White in konventioneller Haltung als auch mit der Gitarre liegend auf dem Schoß.

Zwei Bluesfreaks aus Californien, Ed Denson und John Fahey, spürten Booker White 1963 wieder auf und brachten ihn zurück auf die Bühne. Da sie keine Ahnung hatten wo er damals lebte, schickten sie einen Brief an seinen Heimatort Aberdeen, Mississippi. Die Anschrift lautete:

Bukka White, Old Blues Singer, general delivery, Aberdeen Mississippi.

Der Zufall wollte es, daß eine Verwandte Whites auf dem Postamt in Aberdeen arbeitete und den Brief an die korrekte Anschrift nach Memphis weiterleitete.

So kam in den 60er Jahren die erfolgreichste Phase für Bukka White, das Blues Revival brachte ihn auf bedeutende Festivals in Amerika und Europa. Weitere Aufnahmen entstanden für das Takoma, Biograph und Arhoolie Label. Musikalisch hatte Bukka White dabei seinen Stil und seine Spielweise fast unverändert beibehalten, für eine rund 50 jährige Karriere eigentlich unglaublich. Die Arhoolie Aufnahmen enthalten wunderschöne Erzählungen Bukka White über die alten Zeiten, sie vermitteln einen sehr persönlichen Bezug zu diesem großartigen Musiker.

Booker T. Washington White starb 1977 im Alter von 68 Jahren.

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